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Chronik der Tage:
11.08.2002 Sonntag:
- Pegel Dresden 6:00 Uhr 5,58 m, 20:00 Uhr 5,48 m
- Der private Wetterdienst von Jörg Kachelmann kündigt
Regenmengen von 100mm/m² in 24h für Sachsen an. Der Deutsche Wetterdienst
gibt gegen 23:00 Uhr eine Unwetterwarnung heraus, man geht von Regenmengen
von bis zu 40 mm/m² aus. Das Tief Ilse, das sich über dem Golf von Genua
mit Wasser vollgesogen hat, zieht an den Alpen vorbei und bewegt sich in
Richtung Erzgebirge. Beginn des Regens in Dresden am Abend.
- Schreckliche Bilder aus Italien vor Augen stellen sich
viele die Frage, welche Folgen haben 100mm/m², aber es kam schlimmer.
- Zinnwald-Georgenfeld: 12.08.2002, 7:00 Uhr bis
13.08.2002, 7:00 Uhr: 312 mm/m²
- Zinnwald-Georgenfeld: 11.08.2002 bis 13.08.2002: 500
mm/m²
- Dresden-Klotzsche: vom 11.8., 20:00 bis 12.8., 20:00
Uhr: 127mm/mm²
- Dresden-Klotzsche: vom 12.8., 20:00 bis 13.8., 20:00
Uhr: 56 mm/m², Summe: 183 mm/m²
- Zusätzlich eine extreme Flutwelle von der Moldau
12.08.2002
Montag:
- Pegel Dresden 6:00 Uhr
5,25 m
- In den frühen
Morgenstunden setzt starker Regen ein.
13.08.2002
Dienstag:
- Pegel Dresden 4:00 Uhr
6,65 m
- Die
Moldau hat in Prag einen Durchfluß von mehr als 3000m3/s (mehr
als das 20ig-fache des Normalen), Tendenz steigend. Wieder die Frage, was
bedeutet das für Dresden?
- Seevorstadt Ost, Gebiet
Wiener Platz/Prager sowie östlich des Postplatzes durch Weißeritz
geflutet.
14.08.2002
Mittwoch:
- Pegel Dresden 7:00 Uhr
6,92 m, 21:00 Uhr 7,05 m
- In
der Nacht floss die Moldau mit 5000m3/s durch Prag. Prognose
Usti: 12,5m.
- Weitere
Stromabschaltungen.
- Die Angaben zum
Maximalpegel bewegen sich je nach Quelle zwischen 9,00 und 10,00m. Was
bedeutet dies?
- Gegen 22:00 Uhr
beobachten Polizei und Dispatcher der Verkehrsbetriebe die Situation an der
Flutgrabenbrücke Wehlener Straße. Die Sperrung der Brücke und die
Einstellung des Straßenbahnverkehrs erfolgen in der Nacht.
15.08.2002
Donnerstag:
- Pegel Dresden 6:00 Uhr
7,55 m, 20:00 Uhr 8,48 m, 24:00 Uhr 8,65 m
- Mit dem Morgennebel legt
sich ein unangenehmer, undefinierbarer Geruch über Dresden.
- Das Hauptverkehrsmittel
ist nun das Fahrrad.
- Die Lebensmittelgeschäfte
werden leer gekauft. Besonders gefragt sind Brot und Getränke.
- Nachts totale Stille,
keine Geräusche von Tieren nur gluckerndes Wasser. Hin und wieder
Sondersignale oder der Lärm der Hubschrauber.
Das
Positive des Tages: Hausgemeinschaften haben sich wiedergefunden. Überall
diskutieren die Bewohner vor und in den Häusern miteinander. Nachts werden
Wachen und regelmäßige Rundgänge zur Abwehr eventueller Gefahren durchgeführt.
16.08.2002
Freitag:
- Pegel Dresden 6:00 Uhr
8,88 m, 20:00 Uhr 9,29 m, 24:00 Uhr 9,38 m
- Mit dem Sonnenaufgang
bricht der Hubschrauberlärm über Dresden herein. Alle verfügbaren
Hubschrauber scheinen über Dresden zu fliegen. Rettungshubschrauber und
Hubschrauber der Medien. Kamerateams vieler Sender sind in Dresden
unterwegs.
17.08.2002
Sonnabend:
- Pegel Dresden 7:00 Uhr 9,40
m (Maximalpegel für Dresden), konstant bis 10:00 Uhr dann leicht
fallend, 19:00 Uhr 9,29 m, 23:00 Uhr 9,20 m
- Die eingeschlossen
Dresdner wurden von Schwimmpanzern mit Lebensmitteln versorgt.
- Gegen Mittag die Meldung
der Pegel fällt. Hoffnung sowohl in Dresden, als auch außerhalb.
18.08.2002
Sonntag:
- Pegel Dresden 6:00 Uhr
8,95 m, 20:00 Uhr 8,15 m
- Der Pegel sinkt schneller
als erwartet. Man war von mehreren Tage mit einem sehr hohen Pegel
ausgegangen.
- Erste Aufräumarbeiten
beginnen, aber auch der Umfang des Schadens wird sichtbar.
- Der
Zugang zu vielen Gebieten in Dresden ist weiterhin gesperrt.
19.08.2002
Montag:
- Pegel Dresden 6:00 Uhr
7,61 m, 20:00 Uhr 6,93 m
- Der Pegel sinkt weiterhin
schnell.
- Die Fahrt nach und durch
Dresden ist beschwerlich. An den Rändern türmen sich bereits
Schutthalten. Straßeneinbrüche und unter Wasser stehende Bereiche von Straßen
/ Kreuzungen behindern die Fahrt.
- Überall werden Keller
und Wohnungen beräumt.
- Viele Geschäfte und
Gewerbeeinrichtungen sind zerstört.
- Alle vom Wasser
betroffenen Räume bilden ein Bild der Verwüstung. Möbel sind umgefallen,
der Inhalt ist ins Wasser gestürzt, Holzmöbel fallen beim Anfassen
auseinander.
- In den Kellern sind
Elektroanlagen, Heizung und andere Einrichtung zerstört.
- Über Dresden liegt
ein Moddergeruch durchmischt mit dem Geruch von Heizöl.
- Der maximale Wasserstand
zeichnet sich überall deutlich ab. Alles ist mit einem graubraunen Überzug
abgedeckt.
- Die Verzweiflung steht in
den Gesichtern.
- Die
Hitze fördert ein schnelles Abtrocknen und dies führt zu einer hohen
Staubbelastung.
20.08.2002
Dienstag:
- Pegel Dresden 6:00 Uhr
6,39 m, 20:00 Uhr 5,67 m
- Die Halden von
Schutthalten am Straßenrand wachsen. Die Straßen werden schmaler, der
Verkehr aber stärker. Zusätzlich erschweren neue Straßensperren die
Fahrt.
21.08.2002
Mittwoch:
- Pegel Dresden 6:00 Uhr
5,20 m, 20:00 Uhr 4,75 m
- Die Verkehrssituation ist
unverändert. Alles quält sich durch Dresden.
- Das
Wasser in den Kellern ist meist bis auf wenige Zentimeter zurückgegangen.
Mit Auspumpen ist man vorsichtig, um Gebäudeschäden zu verhindern. Ein
Problem sind die Wassermassen in Tiefgaragen. Von dem Wasser in Senken geht
teilweise ein fürchterlicher Gestank aus. Das THW versucht das Wasser
abzupumpen. Nicht immer mit Erfolg, denn das Grundwasser ist weiterhin sehr
hoch. In vielen Stadtteilen wird der Grundwasseranstieg zunehmend zu einem
Problem.
22.08.2002
Donnerstag bis Sonntag 25.08.2002:
- Pegel Dresden 22.08.02,
6:00 Uhr 4,33 m, 20:00 Uhr 4,30 m
- Die Verkehrsituation wird
immer schwieriger. An bereits beräumte Straßen entstehen neue
Schutthalden, diese sind mehrere Meter hoch, Container und Bagger
blockieren die Straße über Tage. Ein weiteres Problem sind Straßeneinbrüche,
welche täglich neu entstehen.
- Sobald die Hausanlagen
wieder hergestellt sind, wird der Strom zugeschaltet. Auch Telefon ist z.
Teil wieder nutzbar. Trinkwasser und Gas standen jederzeit zur Verfügung.
- Das Technischen Hilfswerk
pumpt Senken, Keller und Tiefgaragen aus.
- Die Luft ist weiterhin
heiß und staubig und der Moddergeruch liegt über Dresden.
- Der Elbbereich bietet ein
schreckliches Bild. Gebäude bis in die erste Etage durchgeweicht. In Büschen
und Bäumen hängt Unrat. Alles ist mit einer graubraunen Schmutzschicht überzogen.
Der Geruch ist unangenehm. Straßenlampen liegen fast oder sind abgebrochen.
Unrat hat sich in großen Mengen auf den Elbwiesen abgelagert. Die Elbe fließt
wieder friedlich in ihrem Bett.
- Die Beräumung der Gebäude
ist weitestgehend abgeschlossen. Die Müllabfuhr beräumt mit Unterstützung
aus anderen Städten die Straßen.
- Der Wiederaufbau hat
begonnen, langsam macht sich bei weniger Geschädigten ein vorsichtiger
Optimismus breit.
Juli
2004:
- Man muss sehr genau
hinsehen, um noch Schäden zu erkennen. Vieles ist schöner als vorher
geworden. Beim Anblick der renovierten Häuser darf man die schweren
Stunden und die riesigen Verluste nicht vergessen!
- Das Problem Straßeneinbrüche
besteht immer noch.
Bilder davon
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